KURZE GESCHICHTE DES MUSEUMS
Im Jahre 1917, im schwierigen militärischen und sozialen Kontext des ersten Weltkriegs als "Civico Museo del Risorgimento" ins Leben gerufen, verfolgte das Museum in den ersten Jahren seines Daseins ausdrücklich den Zweck der Belehrung, d.h. "auch bei jüngeren Generationen das Heimatgefühl zu wecken". In seinen Absichten und in der Ausstellungsgestaltung schloss sich das Museum in Bergamo den in ganz Italien während des letzten Jahrzehnts des 19.Jahrhunderts entstandenen Museen des Risorgimento an, die alle ausdrücklich den Zweck der Belehrung verfolgten, den Kampf um die Einigung Italiens als Exempel, als Quelle der Läuterung eines ganzen Volkes darstellten, dem endlich die Möglichkeit gegeben wurde, sich gleichzeitig als Italiener und Angehörige eines italienischen Staats und einer italienischen Nation zu fühlen, und dies als höchstes Ziel und in unumfänglicher, nicht an ideologische Wertvorstellungen gebundener Größe. Zudem waren es nach 1849 hauptsächlich der Krieg und die Unruhen, die die Funktion von unumstößlichen ethisch-moralische Werten in der "Erhebung des Vaterlandes" und selbst in der Bewältigung des schmerzlichen Verrats des Königs, der jeweiligen Herrschern und der Päpste an der nationalen Idee übernahmen. Es ist deshalb klar, dass die Ausstellung, wie in allen anderen Museen des Risorgimento, in ihrer Gestaltung einer strengen Rangordnung unterlag: so wurde die Aufmerksamkeit der Besucher nicht etwa auf die Unabhängigkeitskriege oder die Kriegsführung der savoyischen Truppen, sondern vielmehr auf die Unruhen, die bewaffneten Einsätze der Freiwilligen, die Siege der Gebirgsjäger und den Mythos der tausend Freiwilligen gelenkt. Insbesondere der Einfall in Sizilien wurde beim italienischen Volk immer mehr zum Beispiel einer kriegerischen Tat, die nicht mehr einfach als feindliche Auseinandersetzung zweier Armeen verstanden werden wollte, sondern, so die Worte des aus Genua stammenden Bandi, eines Gefolgsmannes von Garibaldi als "Wahnsinn..., der in Folge als vorzüglichste und wichtigste seiner schönen Taten beurteilt werden konnte". Die Verherrlichung der tausend Freiwilligen erfolgte nicht nur über Objekte mit starkem Symbolgehalt, in Form von öffentlich verbreiteten Kultbildern (Garibaldi zu Pferd, die Einnahme von Palermo, etc.), sondern auch über die Mythenbildung des Volkes (die roten Hemden, Gutachten und Diplome, welche die Beteiligung am Einfall in Sizilien bestätigen, etc.). So ist es nicht verwunderlich, dass innerhalb von wenigen Monaten eine Flut von Gegenständen (rote Hemden, Militärgutachten, Medaillen des Einfalls der tausend Freiwilligen in Sizilien) und sogar einige echte Erinnerungsstücke mit starkem emotionalem und symbolischen Gehalt (man denke nur an das Stück Brot, das Frizzoni von einem Kroaten erhalten hatte, den Schädel einer Näherin aus Mailand, Garibaldis Haarlocke, den vom Anführer der tausend Freiwilligen betretene Erdscholle, den Stofffetzen einer den Österreichern entrissenen Fahne…) im Museum eintrafen. Es sind genau diese Gegenstände, die in der Gestaltung des Museums, sowohl im Jahr 1917 als auch 1959, eine zentrale Bedeutung als Beispiele des Heldentums, der Opferbereitschaft, des Schmerzes und der Freude eines ganzen Volkes bekamen. Die Neugestaltung des Museums im Jahr 1959 weicht in seiner Themenwahl nicht merklich vom Museum der Gründungszeit ab, einzig wird noch eine, dem Widerstand gewidmete Abteilung hinzugefügt. Seltsamerweise wird der Widerstand während des Faschismus und des Zweiten Weltkriegs weiterhin nicht behandelt. Seltsamerweise deshalb, weil er oft als "drittes Risorgimento" (wobei das erste, das eigentliche namensgebende und das zweite der Erste Weltkrieg ist) im Sinne eines dritten Kampfs für die italienische Einheit und die endgültige Befreiung von der deutschen Fremdherrschaft angesehen wird. 1995 wird das Museum, nachdem es über 20 Jahre lang geschlossen blieb, als “Museo storico della Città di Bergamo”, mit bis am 7. Mai 2004 noch provisorischer Gestaltung, wieder geöffnet.


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